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Tübingen

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Diskussion zur Verkürzung der Kita-Öffnungszeiten

In den städtischen Kitas in Tübingen herrscht Personalmangel: Eine stabile und verlässliche Betreuung sei deswegen gerade nicht möglich, so die Stadt. Eine Lösung sei die Reduzierung der Öffnungszeiten. Mitarbeiter und Eltern sehen diese Idee aber kritisch und haben letzte Woche auf dem Marktplatz dagegen protestiert - wir berichteten. Deswegen hat die Stadt gestern Abend zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen.

Der Vorschlag zur Verkürzung der Öffnungszeiten in den Tübinger Kitas hat hohe Wellen geschlagen – vor allem bei den Eltern der Kinder. Kurz vor der finalen Abstimmung im Gemeinderat diskutierten nun beide Parteien in der Hermann-Hepper-Halle.

Zuerst kam der Gesamtelternbeirat der Tübinger Kitas zu Wort. Fünf Vertreter um die Vorsitzende Maria Tiede diskutierten mit den Vertretern der Stadt. Mithilfe einer Umfrage hatte man im Beirat versucht, die Bedürfnisse der Eltern herauszustellen.

Dabei sei heraus gekommen, dass das aktuelle Angebot den Bedarf nicht abdecke, so die Vorsitzende Maria Tiede. Man habe außerdem nach weiteren Punkten gefragt, zum Beispiel ob jemand eine reduzierte Arbeitszeit befürchtet oder gar den eigenen Job kündigen zu müssen. Gerade bei letzterem sind die Sorgen groß.

Bei der Suche nach alternativen Lösungen sei man unter anderem in Reutlingen fündig geworden, so Tiede: "Passende Alternativen sind zum Beispiel, Eltern während der Randzeiten zu unterstützen. Das wollen wir rechtlich möglich machen, dafür haben wir auch eine Struktur gefunden. Außerdem können wir Konzepte aus anderen Städten übernehmen, zum Beispiel das Tiger-Konzept aus Reutlingen."

Bei diesem schließen sich zwei Tagesmütter zusammen und betreuen die Kinder in den Randzeiten, also zum Beispiel am Freitagabend. Außerdem wurde eine Zusammenarbeit mit den Tübinger Vereinen vorgeschlagen.

40 von 43 Kitas gefährdet

Danach stellten Oberbürgermeister Boris Palmer und Sozialbürgermeisterin Dr. Daniela Harsch den Standpunkt der Stadt vor. Die Verkürzung der Öffnungszeiten sei die einzig sinnvolle Möglichkeit.

"Wir haben schlicht nicht genügend Fachkräfte, um den gesetzlichen Mindestpersonalschlüssel zu erfüllen. Um diesen zu erfüllen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder reduzieren wir die Zahl der Plätze, dann bleiben Kinder außen vor und bekommen keinen Kita-Platz, oder wir reduzieren die Öffnungszeiten" so Palmer.

Wenn es so weiterginge wie bisher, könnte der Personalschlüssel in 40 von 43 Kitas nicht mehr gedeckt werden. Diese Einrichtungen dürften dann nicht weiter öffnen.

Wie und vor allem wo sich die Änderungen genau auswirken, sei noch nicht überall absehbar. "Wir haben 43 städtische Kitas und in jeder Kita wird geschaut welches Personal wir dort haben, und wie wir es einsetzen können. Auch welche Zusatzkräfte und welche hauswirtschaftlichen Kräfte oder Azubis und FSJler wir wo haben spielt eine Rolle. Bei den Öffnungszeiten wird deshalb alles dabei sein, sowohl von 7:30 bis 17:30 als auch frühere Schließungen" sagte Harsch.

Nach der Diskussion hatten die Eltern, die zur Veranstaltung gekommen waren die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ihre Sorgen teilen sie mehrheitlich. So geht vor allem die Angst um, Arbeitszeiten reduzieren zu müssen oder gar die eigene Ausbildung abbrechen zu müssen.

Trotz unterschiedlicher Meinungen ist das Problem des Fachkräftemangels aber jedem bewusst. Beide Parteien können die Standpunkte der jeweils anderen nachvollziehen.

"Das verstehe ich alles, und ich würde es uns allen gerne ersparen, aber ich kann es nicht. Wenn die Fachkräfte nicht da sind, und sie fehlen ja nicht nur in Tübingen sondern in ganz Deutschland, dann muss ich einen Kompromiss finden" sagt Palmer.

Wie lange die geänderten Öffnungszeiten im Zweifel bleiben, sei noch nicht klar. Diese hängen davon ab, bis wann es wieder mehr Personal gibt. Gegen den Personalmangel kämpft man von Seiten der Stadt aus bereits an.

"Wir bilden aus. Wir sind auf allen Jobmessen unterwegs und haben Coaches, die die Azubis in ihrer Ausbildung begleiten. Außerdem bieten wir unbefristete Stellen an und zahlen für Leitungskräfte übertariflich. Außerdem überlegen wir, wie wir die Arbeitszeiten am Abend und an Freitagen attraktiver gestalten können" führt Harsch aus.

Wie es letztendlich mit den Kitas weitergeht, wird sich am Montag zeigen. Dort tagt der Gemeinderat und trifft eine Entscheidung.


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