Spedition Betz International hat Insolvenz angemeldet
Die internationale Tochtergesellschaft der bekannten Willi Betz-Gruppe hat beim Amtsgericht Tübingen laut Medienberichten Insolvenz beantragt. 140 Beschäftigte bangen um ihre Stellen. Der Fall steht symptomatisch für die branchenweiten Probleme. Die hohen Dieselpreise sind eines davon.
Die gelben Lastwagen der Willi Betz-Gruppe sind auf deutschen Autobahnen seit Jahrzehnten ein vertrautes Bild. Nun gerät der Konzern in ernste Turbulenzen: Die Tochtergesellschaft Betz International GmbH mit Sitz im Sonnenbühler Teilort Undingen im Kreis Reutlingen hat beim Amtsgericht Tübingen Insolvenz angemeldet. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Dirk Poff von der Kanzlei Walter Riegger Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
140 Jobs auf dem Spiel
Für die rund 140 Beschäftigten des mittelständischen Unternehmens ist die Lage ernst – aber noch nicht hoffnungslos. Poff erklärte gegenüber der „Bild"-Zeitung, man prüfe alle Optionen für eine Fortführung des Betriebs und wolle so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Erste Kaufinteressenten hätten sich bereits gemeldet. Die Gehälter für die Monate März bis Mai sind derweil durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert, sodass die Belegschaft zumindest kurzfristig abgesichert ist. Das Unternehmen hat derzeit 72 Fahrzeuge im Einsatz; die Auftragslage werde als gut beschrieben, wie Geschäftsführer Sven Hess dem „Reutlinger Generalanzeiger" mitteilte.
Kosten fressen Margen auf
Die Ursachen der Schieflage sind vielschichtig. Rainer Bisinger, Geschäftsführer der Willi Betz-Gruppe, sprach von Rahmenbedingungen, „die einen profitablen Geschäftsbetrieb nicht mehr möglich machen". Hohe Dieselpreise, eine ausufernde Lkw-Maut, wachsender Wettbewerbsdruck und eine anhaltende Konjunkturschwäche in Deutschland hätten das Unternehmen in die Enge getrieben. Interne Spar- und Optimierungsmaßnahmen hätten diese Last letztlich nicht mehr abfedern können. Erschwerend hinzukommen strukturelle Probleme der gesamten Branche: akuter Fahrermangel und chronische Liquiditätsengpässe durch schleppende Kundenzahlungen.
Branche im Krisenmodus
Der Fall Betz International ist kein Einzelschicksal. Im Sektor Verkehr und Lagerei war die Insolvenzquote im Jahr 2025 laut Statistischem Bundesamt mit 133 betroffenen Unternehmen je 10.000 Betriebe die höchste aller Branchen – noch vor Gastgewerbe und Baugewerbe. In absoluten Zahlen wurden im gesamten Transportsektor 1.005 Insolvenzen gezählt. Erst kürzlich hatte der Laupheimer Spediteur Markus Barth im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung „horrende Mehrkosten" durch die explodierenden Dieselpreise beklagt.
Pleiterekord im ersten Quartal 2026
Der Insolvenzantrag von Betz International fällt in eine Phase, in der die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gestiegen ist. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) verzeichnete im ersten Quartal 2026 bundesweit 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften – mehr als zuletzt im dritten Quartal 2005. Allein im März lagen die Zahlen 71 Prozent über dem Vorpandemie-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Besonders betroffen waren das Baugewerbe und der Handel; regionale Spitzenwerte meldeten Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Das IWH erwartet auch für das zweite Quartal weiterhin hohe Zahlen.