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Schloss Hohentübingen

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Wanderausstellung „Schöningen - Der große Wurf“: spektakuläre Funde und Erkenntnisse aus Schöningen

Die archäologische Fundstätte Schöningen in Niedersachsen ist weltweit einmalig. Denn sie beherbergt Artefakte von vor über 300.000 Jahren, die bestens erhalten sind. Durch diese Funde können Rückschlüsse auf unsere steinzeitlichen Vorfahren gezogen werden. Einige der spektakulären Funde und Forschungsergebnisse werden jetzt in einer Wanderausstellung gezeigt - die erste Station ist das Museum der Universität Tübingen auf Schloss Hohentübingen.

Funde revolutionierten Bild des frühen Menschen

Mit einem Wurfspeer haben unsere steinzeitlichen Vorfahren gejagt. In der Ausstellung ist eine Nachbildung der Wurfspeere zu sehen, die bei den Ausgrabungen in Schöningen gefunden worden sind. Neben den Schöninger Speeren wurden auch Wurfstöcke und Stoßlanzen entdeckt, die der Homo heidelbergensis für die Jagd benutzt hat.

Die Jagdwaffen zeugen nicht nur von hohen technologischen Fähigkeiten. Sie geben auch Hinweise auf die Lebensweise unserer Vorfahren: für die Jagd benötigten sie vorausschauendes Denken und ein gewisses Kommunikationsvermögen, erklärt Professor Nicholas Conard, der Leiter des Forschungsprojekts Schöningen.

"Die haben [die Jagd] im Voraus geplant, weil es relativ komplex ist. Und man muss abstimmen, wer tut was, wie geht man an die Tier ran - wir reden von großen, gefährlichen, schnellen Tieren", so Conard. "Und vermutlich haben die gesagt: morgen, übermorgen oder nächste Woche gehen wir jagen am Schöninger Fluss. Wir machen es so: du stehst da, ich steh da, wir treiben die Tiere in den Sumpf. Du bist ganz gut im Werfen, also wirfst du. Ich stech das Tier mit der Lanze tot."

Dafür brauche es eine gewisse Kommunikation: das bedeute nicht, dass es unbedingt ein Sprachvermögen sein müsse wie das unsere in der heutigen Zeit. "Es kann sein, dass man mit Gestik oder Lauten gearbeitet hat."

Der Homo heidelbergensis war also kein primitives, sprachloses Wesen, das sich nur von Pflanzen und Aas ernährte. Diese Forschungsmeinung war bis zu diesem Fund weit verbreitet. Die Schöninger Speere haben das Bild des frühen Menschen stark verändert. Sie sind die ältesten vollständig erhaltenden Jagdwaffen der Welt.

Schöningen weltweit einmalig

Dass die Jagdwaffen in Schöningen so gut erhalten sind, liegt an den Rahmenbedingungen in Schöningen. Dort war das Sediment komplett mit Wasser gesättigt. Und durch diese Wassersättigung ist alles perfekt erhalten. Vor allem bei Holz aus dieser Zeit äußerst selten.

Außerdem liegt die Ausgrabungsstätte am Rande eines Braunkohleabbaugebiets. "Und es ist ein sehr großes Gebiet. Und die Schichten, die für uns interessant sind, sind etwa 12 Meter untrhalb der Oberfläche. Und normalerweise kommt man an so alte Schichten nicht ran - aber dank des Braunkohleabbaus haben wir dieses Glück, dass wir an die Schichten rankommen", erklärt Conard.

Und das macht die Fundstätte Schöningen weltweit einmalig.

Wie Leonardo DiCaprio in "The Revenant"

Neben den Jagdwaffen wurden auch Steinwerkzeuge und Knochen von Tieren gefunden. Sie zeugen davon, dass Pferde die Hauptjagdbeute waren. Aber auch Säbelzahnkatzen, Hirsche, Elefanten, und Bären wurden gejagt.

Die Schnittspuren auf den Bärenknochen belegen, dass Bärenfelle benutzt worden sind. Denn die Schnittspuren seien genau dort, wo man eine Bärenhaut abziehen würde, so Conard. "Wenn man im Winter in der Eiszeit über die Runden kommen will, muss man sich warm anziehen können. Denken Sie an Leonardo DiCaprio im Film 'The Revenant', wo er überlebt hat, weil er sein Bärenfell hat."

Die Ausstellung „Schöningen – der große Wurf" ist noch bis zum 3. Oktober im Museum der Universität Tübingen auf Schloss Hohentübingen zu sehen.


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